STADT BAD WÖRISHOFEN
Panoramabild von Bad Wörishofen, mit Kloster und Kirche im Blick, Bäume und blauer Himmel

Baum-Rigolen als Pilotprojekt für die Schwammstadt der Zukunft

Das Thema „Schwammstadt“ ist derzeit in aller Munde. „Wir in Bad Wörishofen setzen hier schon erste Projekte um“, freut sich Bürgermeister Stefan Welzel. Die Stadt Bad Wörishofen realisiert nämlich im Rahmen ihres ELER-Förderprojekts im Ortsteil Stockheim ein innovatives Pilotvorhaben zur nachhaltigen und effizienten Regenwasserbewirtschaftung. Dabei kommen Elemente des Schwammstadtprinzips zur Anwendung, dessen Grundidee darin besteht, Niederschlags- und Oberflächenwasser direkt vor Ort aufzunehmen, zu speichern und kontrolliert wieder an die Natur abzugeben. „Auf diese Weise wird nicht nur die lokale Wasserversorgung unserer Straßenbäume verbessert, sondern auch verhindert, dass wertvolles Regenwasser ungenutzt in die Kanalisation abgeleitet wird“, so Welzel.

Das übergeordnete Ziel der Stadt Bad Wörishofen – ebenso wie des Schwammstadtansatzes – ist es, urbane Räume zukunftsorientiert zu entwickeln und in resiliente, lebendige Ökosysteme zu verwandeln. Diese sollen Wasser speichern, die Auswirkungen von Hitzeperioden abmildern und gleichzeitig die Lebensqualität erhöhen.

Die Projektidee, Baumrigolen in das Straßenbauvorhaben zu integrieren, wurde durch Florian Hollmann, Projektleiter des städtischen Tiefbauamtes, eingebracht. Er sieht darin eine große Chance, im Zuge der Maßnahme ein Pilotprojekt zu realisieren, dessen Ergebnisse richtungsweisend für zukünftige Projekte in Bad Wörishofen sein können. Florian Hollmann freut sich besonders darüber, dass die Hochschule für angewandte Wissenschaften u. Kunst (HAWK) Hildesheim/Holzminden/Göttingen im Rahmen eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projektes zur Optimierung urbaner Baumstandorte (OptUrBaum) in dieses Vorhaben einsteigt. Die Hochschule möchte ihre wissenschaftlichen Untersuchungen anhand des Bauprojektes der Stadt überprüfen und weiterentwickeln.

Im Projekt werden Baumrigolen der Firma Funke Kunststoffe als unterirdische Wasserspeicherkörper in den Straßenbau integriert. Das anfallende Niederschlagswasser wird zunächst über Straßenabläufe in Sammelschächte geleitet und anschließend in speziellen Reinigungsschächten aufbereitet. Von dort gelangt es in die Rigolen-Körper, wo es gespeichert wird. Über kapillare Prozesse kann der Baum bei Bedarf eigenständig Wasser aus der Rigole beziehen.

Das System bietet erhebliche Vorteile – sowohl in Trockenperioden, in denen die Rigolen als zuverlässige Wasserspeicher dienen, als auch bei Starkregenereignissen. In solchen Fällen wird das Wasser zunächst in den Rigolen und den angeschlossenen Schächten gepuffert, bevor es über einen Notüberlauf kontrolliert in den Regenwasserkanal abgegeben wird. Dadurch wird die Kanalisation entlastet und die Funktionsfähigkeit der Infrastruktur insbesondere bei Extremwetterereignissen deutlich verbessert.

Die wissenschaftliche Begleitung durch die HAWK ist dabei ein besonderer Gewinn. Erste Laborversuche der Hochschule zum kapillaren Aufstieg von Wasser in Baumsubstraten zeigten bereits vielversprechende Ergebnisse. Durch den Einbau einer Vielzahl an Sensoren an ausgewählten Baumstandorten können diese Erkenntnisse nun unter realen Bedingungen überprüft und weiterentwickelt werden.


Bürgermeister Stefan Welzel begrüßt dieses Vorhaben ausdrücklich und unterstützt es in vollem Umfang. Er sieht darin einen wichtigen Schritt, um die Stadt klimafest und zukunftsorientiert weiterzuentwickeln.

Der Grundstein für das Projekt wurde bereits gelegt: Die ersten Baumrigolen-Boxen konnten erfolgreich verbaut werden. Insgesamt sind es sechs Boxen, die nun nach und nach auch im nächsten Bauabschnitt folgen.

Die Stadt Bad Wörishofen erhofft sich von diesem Pilotprojekt einen nachweislich effizienteren Ressourceneinsatz für die städtischen Bäume, eine gestalterische Aufwertung des öffentlichen Raums sowie einen spürbaren Beitrag zum Klima- und Umweltschutz.